CARLA DEL PONTE


Im Namen der Anklage

CARLA DEL PONTE


Die Schweizer Juristin und Diplomatin Carla Del Ponte studierte internationales Recht in Bern, an der Universität Genf und in Grossbritannien. Ab 1972 arbeitete sie in einer Rechtsanwaltspraxis in Lugano und gründete 1975 ihre eigene Kanzlei.

1981 wurde sie Staatsanwältin des Kantons Tessin. Ihr kompromissloses Vorgehen gegen Geldwäsche, organisierte Kriminalität, Waffenschmuggel und grenzüberschreitende Wirtschaftskriminalität trug ihr den Spitznamen „Carlita la pesta“ („Carlita, die Pest“) ein. Sie arbeitete eng mit dem später ermordeten italienischen Richter Giovanni Falcone gegen die Mafia zusammen und entging 1989 im Ferienhaus Falcones bei Palermo nur knapp einem Sprengstoffanschlag.

1994 wurde sie zur Bundesanwältin der Schweiz berufen. Sie ermittelte unter anderem wegen Geldwäsche und Korruption im engeren Umkreis des früheren russischen Präsidenten Boris Jelzin und gegen den Bruder des mexikanischen Ex-Präsidenten Salinas. Spätestens durch ihre Arbeit als oberste Anklägerin der Schweizer Bundesbehörden wurde sie in vielen Kreisen zur ‚persona non grata‘, die mit Anschuldigungen und Prozessen von Widersachern überzogen wurde.

Im September 1999 wurde sie als Nachfolgerin von Louise Arbour Chefanklägerin sowohl des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien, zuständig für die Verfolgung schwerer Verbrechen während der Jugoslawienkriege, als auch des Internationalen Strafgerichtshofs für Ruanda, zuständig für die Verfolgung des Völkermords in Ruanda.

Als Chefanklägerin trat sie nach achtjähriger Amtszeit zum 31. Dezember 2007 zurück. In dieser Zeit wurden 91 Personen von insgesamt 161 Personen, gegen die das UN-Tribunal seit 1993 Anklage erhoben hatte, verhaftet oder stellten sich freiwillig und 63 Personen wurden verurteilt. Nach ihrem Rücktritt lehnte sie eine Rückkehr zur Schweizerischen Bundesanwaltschaft ab. Sie wurde vom Bundesrat per 1. Januar 2008 zur Botschafterin der Schweiz in Argentinien ernannt.

Carla Del Ponte untersuchte von 2011 bis 2017 Menschenrechtsverletzungen in Syrien als Mitglied der „Independent International Commission of Inquiry on the Syrian Arab Republic“, die vom UN-Hochkommissariat für Menschenrechte eingesetzt worden ist.

Carla del Ponte erhielt im Frühjahr 2018 den Deutschen Friedenspreis der Albert Osswald-Stiftung.

VORTRÄGE


Carla del Ponte spricht Klartext. Über sich selbst sagt die streitbare Juristin, dass sie eine miserable Verteidigerin gewesen sei – denn dafür brauche es einen anderen Charakter, als sie ihn habe. Stattdessen legt sie sich seit Jahrzehnten als Anklägerin mit den Mächtigen aus Politik und Verbrechen an. Immer gesprächsbereit, jedoch kompromisslos in ihrem Kampf für die Opfer legt die engagierte Powerfrau schonungslos offen, wo sie die Gründe für kriminelle Strukturen in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft sieht.

In ihren authentischen und berührenden Vorträgen gewährt die Diplomatin spannende Einblicke in ihre jahrzehntelange Arbeit und lenkt den Blick oft in überraschende Richtungen. Dabei kommen auch die schillernden Aspekte ihrer Karriere nicht zu kurz. Carla del Ponte gelingt es immer, humorvoll und versöhnlich positive Ausblicke zu geben.

Erleben Sie die inspirierende und beeindruckend ehrliche Persönlichkeit Carla del Ponte live! Ob Vortrag oder Diskussion – immer relevant, hochspannend und mit kraftvoller Präsenz.

 

 

THEMEN (Auswahl): 

 

  • Carla del Ponte – Im Namen der Anklage. Carla del Ponte hat dem Verbrechen viele Male direkt ins Auge geschaut. Sie beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Kapitalverbrechen: Geldwäsche, organisierte Kriminalität, Waffenschmuggel und grenzüberschreitende Wirtschaftskriminalität, Verfolgung schwerer Verbrechen während der Jugoslawienkriege und des Völkermords in Ruanda, Kampf gegen die Mafia inklusive Morddrohungen gegen sie und ihre Familie. Wie kann eine Gesellschaft mit dieser Kriminalität umgehen? Wie können Menschen und Werte in diesem Kontext überleben? Wer trägt die Verantwortung?
  • Die internationale Justiz und die Suche nach Gerechtigkeit. Carlo del Ponte spricht ehrlich und ungeschönt darüber, wie sie – selbst unter Lebensgefahr- die schlimmsten Verbrecher unserer Zeit jagte, fing und anklagte. Fragen wie „Ist das Böse banal?“, „Kann man mit Massenmördern Smalltalk machen?“oder „Wie können Justiz und Politik zusammen arbeiten?“ stellt sie überraschend pragmatisch.

 

SPRACHEN       Deutsch │ Englisch

FORMATE         Keynote │ Diskussion │ Interview │ TV

ANLÄSSE         Tagung │ Kongress │ Podiumsdiskussion│ Kamingespräch

 

PUBLIKATIONEN

AKTUELL:

„Im Namen der Opfer“ (2018)

Dieses Buch ist ein unerschrockenes Statement im Namen der Opfer über den einsamen und verzweifelten Kampf von Carla del Ponte für Menschenrechte und für den Frieden.

»Syrien ist ein Land ohne Zukunft. Sie zerstören alles, was irgendwie menschlich ist. Es ist unfassbar. Es gibt keine Schulen mehr, nur noch wenige Spitäler, kaum etwas zu essen und keine Institutionen. So schlimme Verbrechen wie in Syrien begangen werden, habe ich weder in Ruanda noch in Ex-Jugoslawien gesehen. Alle in Syrien sind böse. Die Regierung Assad, die schreckliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt und Chemiewaffen einsetzt. Doch keiner hilft. Die internationale Politik schaut weg und die UNO resigniert«, so del Ponte. Carla del Ponte erzählt schonungslos über das Gemetzel im Nahen Osten, ihren Besuchen in den Flüchtlingscamps, den Gesprächen mit den Regierungen der USA, Russland, Türkei und der UN, der verpassten Chance auf Frieden sowie das fehlende Wollen und die Unfähigkeit der internationalen Staatengemeinschaft (UN) und der Politik.

ISBN: 978-3-906872-53-7, € 22,90 (D)
Giger Verlag GmbH

 

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„Im Namen der Anklage“ (2008)

Die brisanten Memoiren der furchtlosen Anklägerin
Von der Wirtstochter aus einem kleinen Ort im Tessin hin zur international gefürchteten Anklägerin: Carla Del Ponte schildert überraschend offen ihren ungewöhnlichen Werdegang und ihren resoluten Kampf gegen das Verbrechen. Ob sie als Staats- und Bundesanwältin gegen die Mafia kämpfte, was ihr den Spitznamen »Carlita la pesta« eintrug, russischen Oligarchen oder dem Bhutto-Clan das Geld einfror, ob sie die gefährlichsten Kriegsverbrecher jagte, die USA offen kritisierte oder sich allein gegen die NATO stellte – immer forderte sie für die Justiz ein, auch dann zu richten, wenn es gegen sämtliche Spielregeln der Politik und Diplomatie ging.

ISBN: 978-3-596-18520-7, € 10,95 (D)

S. Fischer Verlag GmbH